Das Leben ist wie Tetris. Spiel es nicht wie Schach!

Hier habe ich einen wunderbaren Artikel entdeckt, in dem ein (Ex-)Schachspieler seine Sicht auf das Leben aus der Perspektive des Spielers darlegt: Your Life Is Tetris. Stop Playing It Like Chess von Tor Bair

Tor, der als Siebenjähriger mit dem Schachspielen begonnen hat, schreibt hier darüber, was er durch Schach über das Leben gelernt hat. Und was er heute anders sieht. Wie er darauf kommt, das Leben mit Tetris zu vergleichen, jenem Computerspiel, das ganze Generationen mit seinem einfachen Spielprinzip fasziniert hat.

Der Gegner bist Du selbst

Im Schach spielt man gegen einen Gegner, sucht nach dem idealen Zug, um ihn am Schluss zu besiegen. Bei Tetris gibt es keinen Gegner, nur eine immer fortschreitende Abfolge von Steinen, die in zufälliger Abfolge von oben nach unten fallen. Kein Endgegner. Niemand, auf den man eine Niederlage schieben kann.

So ist auch das Spiel des Lebens, es läuft komplett im Innern ab. Es gibt keinen richtigen oder falschen Schritt. Und dein Punktestand des Lebens kann sich immer weiter erhöhen, wenn du dranbleibst.

Ich finde den Gedanken faszinierend, kann das aus meiner Lebenserfahrung bestätigen. Wem will ich die Schuld geben, wenn der letzte Stein so gar nicht in meine Landschaft passt? Und wenn ich damit beschäftigt bin, einen Schuldigen zu finden, fehlt mir der Fokus auf die Lösung der Aufgabe. Wie im echten Leben – suche ich fortwährend nach Gründen, warum dies oder jenes nicht funktioniert hat, trete ich auf der Stelle. In dieser Falle war ich selbst lange genug gefangen. Ein Leben, in dem ich meine Energie darauf verwende, Ausreden zu finden, ist wenig erfüllend. Es ist ein Leben, das mit den Zielen anderer gefüllt ist. Game over ohne Sieg.

Es wird nicht schwieriger, nur schneller

Beim Schach wird das Spiel immer komplizierter, je länger die Partie dauert. Viele Figuren verändern ihre Position, alle Veränderungen muss man im Blick behalten. Beim Tetris bleibt das Spiel immer gleich komplex, nur die Geschwindigkeit ändert sich. Wenn man Tetris immer auf der langsamsten Stufe spielt, kann man fast nicht verlieren. Der Einzige Feind ist die Langeweile.

Nach Tors Meinung trifft das auch auf das Leben zu, es wird auch immer schneller. Mit jedem Tag, mit jeder Stunde, mit jeder Minute bleibt weniger Lebenszeit übrig. Das Leben meistern bedeutet, zu lernen, bei immer höherer Geschwindigkeit dein Leben zu kontrollieren. Du kannst es nicht zulassen, dass deine Ziele gefährdet werden, egal wie stressig dein Leben vonstatten geht.

Der Gedankensprung ist mir etwas zu weit. Die immer kürzer erscheinende Restlebenszeit empfinde ich nicht so, als wird alles immer schneller. Im Gegenteil kann ich manches ruhiger betrachten und mir mehr Zeit für Dinge herausnehmen, für die ich früher keine Zeit hatte. Oder das glaubte. Ein Spaziergang an einem sonnigen Tag im Winter nach 3 Tagen Dauerregen – und allen Stress beiseite schieben. Die Zeit dazu hätte ich mir früher nicht zugestanden.

Dennoch: Die Jahre erscheinen mir mit zunehmendem Alter kürzer. „Silvester? War doch erst!“ Aus der Sicht betrachtet passt sein Bild. Und seine Schlussfolgerung unterschreibe ich mit: „Lass dich durch nichts von deinen Zielen abbringen. Egal, was passiert.“   

Du kannst das Spielfeld nicht kontrollieren

Im Schach gibt es immer einen besten Zug. Du kannst den Gegner zu bestimmten Zügen zwingen, kannst das Spiel viele Züge lang vorausplanen. Beim Tetris kommen die Herausforderungen per Zufallsprinzip, du kannst nichts vorausplanen.

Tor überträgt das so auf das Leben: Wie beim Tetris, kannst du dich im Leben nur in die bestmögliche Ausgangsposition für alle möglichen Ereignisse bringen.

Egal, in welche gute Ausgangsposition du dich gebracht hast, rechne immer mit Schwierigkeiten. Und wenn es dann tatsächlich schwierig wird, musst du trotzdem klar kommen. Wie langweilig wäre es doch, wenn alles vorhersehbar wäre. Wenn beim Tetris alle Steine passen würden, jede Reihe ohne Anstrengung gefüllt werden könnte – wie langweilig. Könntest du das stundenlang spielen? Nach ein paar Minuten wäre mir das zu öde. Deshalb wünsche ich mir auch nicht vom Leben, dass es einfach ist. Ich arbeite lieber hart dafür, auch mit den Schwierigkeiten klarzukommen.

Niemand sagt Dir, wann Du gewonnen hast

Im Schach spielt man, um zu gewinnen. Tetris spielt man, um zu spielen. So sollten wir alle das Leben betrachten.

Kennst du auch solche Leute, die immer „gewinnen“ wollen? Die nicht mit ihren Mitmenschen leben, sondern gegen sie? Ein solches Leben kann ich mir nicht als erfüllend vorstellen, jeder vermeintliche Sieg erzeugt doch den Drang nach der nächsten Herausforderung. Die ich dann auch unbedingt „gewinnen“ muss. Nein, da gefällt mir das „spielen, um des Spielens willen“ doch viel besser. Und ich kann meinen Mitmenschen ihre Erfolge gönnen – selbst wenn sie für mich einen Nachteil bedeuten.

Jeder bestimmt selbst, wie er sein Spiel des Lebens spielt. Versuche, es richtig zu spielen!

 


Wie passt das Tetris-Modell auf dein Leben? Schreib mir unten einen Kommentar, welche der Gedanken auch für dich zutreffen. Oder wobei du anderer Ansicht bist.

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